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Kollateralschaden Schlaganfall – 35% der Patienten meiden Krankenhäuser im Lockdown

Viele Mediziner deuteten es bereits häufig an. Die Kollateralschäden der Corona-Krise seien nicht zu unterschätzen. Mit der zweiten Welle des Virus zeigen sich diese Kollateralschäden  immer deutlicher. Das WIdO, dass Wissenschaftliche Institut der AOK, stellte nun  fest, dass Patienten Krankenhäuser im Lockdown meiden und Beschwerden daher unerkannt und  unbehandelt bleiben. Die Studie der AOK hat ergeben, dass während des Lockdowns mehr Schlaganfälle tödlicher verliefen, als in den Jahren zuvor. Während in diesem Frühjahr innerhalb von 30 Tagen 740 Patienten an einem Hirnschlag starben, waren es im Frühjahr 2019, 714 Patienten. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 26 Todesfälle mehr. Demnach kamen während des Lockdowns zwar weniger Schlaganfallpatienten in die Kliniken, die Sterblichkeit stieg jedoch von 12% auf 15%. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) nimmt an, dass die höhere Sterblichkeit durch das spätere Ankommen im Krankenhaus begründet ist. Gerade Patienten mit leichten Beschwerden seien durch die Angst vor Covid-19 gehemmt ein Krankenhaus aufzusuchen, erklärt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO. Genau das sei aber so gefährlich, denn bei der Behandlung von Herzinfarkten und Schlaganfällen zähle “wirklich jede Minute”. 

Auch ein statistischer Ausreißer sei auszuschließen, denn auch verglichen zum Frühjahr 2018 sei die Sterblichkeit höher. An den Kapazitäten der Kliniken lag es nicht, denn diese seien trotz Corona-Lockdowns nicht ausgelastet gewesen. Vielmehr kam durch die Sondersituation eine Routine in den Kliniken an, die die Prozesse schneller und glatter als 2019 verlaufen ließ. 

Bei genauerer Betrachtung der Zahlen ergab sich, dass der Vorjahresvergleich speziell die Sterblichkeit älterer Frauen betraf. Folglich starben von März bis April 2020 368 versicherte Frauen der AOK über 80 Jahre an Schlaganfallfolgen. Im Frühjahr 2019 waren es 327 Versicherungsnehmerinnen. 

Auch insgesamt ließen sich laut der Studie deutlich weniger Erkrankte mit Symptomen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls im Krankenhaus einweisen. Nach der Auswertung im Frühjahr 2020 ergab sich ein Rückgang von Patienten mit leichten Schlaganfallsymptomen um 35%, die derjenigen mit schweren Symptomen um 15%. Bei den schweren Herzinfarkten nahm die Zahl der behandelten Fälle um 24% ab, bei leichten Infarkten ganze 29%. Doch auch bei Herzinfarkten erhöhte sich die Sterblichkeit. 

Die Studie verdeutlicht, wie wichtig eine individuelle Versorgung von Schlaganfällen und Herzinfarkten ist. Um genau solchen Fällen vorzubeugen bietet die Telemedizin eine Auffangmöglichkeit und eine Entlastung für das überlastete deutsche Gesundheitssystem. Die auf dem Weg der Teletherapie entstehende Nähe zum Patienten ermöglicht es die Vorzeichen richtig zu deuten und die intensive patientennahe Nachbehandlung zu gewährleisten. Dies ist ein sichererer Weg besonders ältere Patienten in der Corona-Krise keinem zusätzlichen Risiko auszusetzen und die Reichweite der Patientenversorgung auch über die Krise hinaus zu erhöhen.